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                                                             “ Der Sekretär ” 

                                                      - wie die Suche begann -

Leer , Herbst 1970

Wie jeden Sonntag besuchten wir auch an diesem “Deta” zum Teetrinken. Deta hieß eigentlich Margarethe. Sie hatte die zentrale  Großmutterrolle in unserer Familie inne. Nach dem frühen Tod der alleinerziehenden Mutter und dem plötzlichen Unfalltod seines Vaters/ ihres Bruders hatte sie den 17 jährigen Klaus-Jürgen (Vater d. Autors), bei sich aufgenommen. So war er aus Hamburg in die Kleinstadt nach Ostfriesland  gekommen. Da ihr Verlobter aus dem 
1. Weltkrieg nicht zurückkehrte,  war sie alleinstehend geblieben und jetzt waren wir ihre Familie. Für mich und meine 2 Brüder waren die regelmäßigen Wochenendbesuche - wir wohnten einige Kilometer auseinander- selbstverständlich, denn das war immer so gewesen und wir mochten “Deta”. Für meine Mutter dagegen, war dies nicht ganz so einfach - es waren beides starke Persönlichkeiten mit gleicher Profession – Lehrerinnen aus Berufung.

Das sonntägliche Teetrinken war vorbei. Die Erwachsenen unterhielten sich  noch. Wir Geschwister überbrückten die Zeit im Nebenzimmer bis zum obligatorischem gemeinsamen Spielen, wie z. B. dem Brettspiel “Poch”, bei dem es immer Süßigkeiten zugewinnen gab. Eine ritualisierte Beschäftigung zur Überbrückung war, sich jede Woche neu zu vergewissern, ob noch alle Schätze in der “eigenen” Schublade, jeder Bruder hatte im antiquen Sekretär ein Fach, bzw. sich überraschen zu lassen, wenn das Gesammelte sich vermehrt hatte. Das Besondere an diesem Sonntag geschah, als ich bei der Suche nach Schreibunterlagen für das Spiel in der großen Schublade dieses besonderen Sekretärs kramend, zuunterst eine Ausgabe der Illustrierten “Stern” fand, die noch aus den 50igern stammte, noch im alten Format. Allein das war schon ungewöhnlich, derartiges bei Deta zu finden. Beim neugierigen Durchblättern, stieß  ich auf einen mich aufrüttelnden Artikel.

Reißerisch aufgemacht wurde der Unfalltod meines Großvaters beleuchtet, und infrage gestellt. Andeutungen wurden gemacht. Es schien plötzlich alles möglich, sogar der Unfall könne vielleicht ein Attentat eines kriegsgegnerischen Geheimdienstes gewesen sein.?! Ich zeigte es aufgeregt meinem älteren Bruder. Schon aufregend genug, dass überhaupt über unseren Großvater im “Stern” geschrieben wurde. Zum ersten mal hatte ich auf diese Weise überhaupt von seiner beruflichen Tätigkeit als Agent gehört, von den Spekulationen ganz zu Schweigen. Unser aufgeregtes Fragen wurde von meiner Großtante als Blödsinn abgetan. Die Zeitung nahm sie an sich- und wurde nie wieder gesehen, der Nachmittag in normale Bahnen gelenkt.

Dieser Bereich unseres Großvaters blieb tabu (passend zum Metier). Hilmar, als ältester von 5 Geschwistern, der Lieblingsbruder Detas. So hatte er, der jüngeren Schwester, der alleinstehenden Junglehrerin,  zu Beginn des Krieges weitsichtig vor seiner Abfahrt, eine Art Enterhaken mit dem Hinweis gegeben, sollte ihr Haus dermaleinst bombardiert werden, es lag in der Nähe der Bahnstrecke zur  Küste, könne sie sich damit aus dem Schutt befreien. Und tatsächlich, kurz vor Kriegsende beim Bombardement der Nachschubwege, zerstörte eine Granate, als eines der wenigen Häuser Leers, ihr Haus. Sie konnte sich mit Hilfe des Werkzeugs durch den Schutt, aus dem Keller befreien. Das Werkzeug und ein Granatsplitter (Buchstütze) sind beim Autor erhalten. Auf ihren großen Bruder ließ sie nichts kommen!

Somit blieb sein Wirken, und somit ein wesentlicher Bestandteil seines Leben, (was wusste sie überhaupt?) wie sein Sterben im Geheimen.

 

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