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                       Sülze-Unruhen - Mit den Mäusen zum Ragout

Während der Arbeiter- und Soldatenrat mangels Rückhalt in der Bevölkerung am 23. März 1919 die rote Flagge vom Hamburger Rathaus einholen musste, brachen am 23. Juni jenes Jahres blutige Unruhen aus, die ihre Ursache nicht im Kommunistischen Manifest oder bei revolutionären Matrosen, sondern in der angeblichen Delikatess-Sülze hatten, die der Fabrikant Jacob Heil den hungernden Arbeitslosen, entlassenen Soldaten und Zuwanderern aus dem Umland ohne Lebensmittelmarken für drei bis fünf Mark das Pfund verkauft hatte.
Als vor seiner Fabrik an der Kleinen Reichenstraße beim Entladen ein Fass zerbrach, dessen Inhalt bestialisch stank, drang die Menge in die Räume ein und sah, dass die Sülze hauptsächlich aus Kadavern von Hunden, Katzen, Ratten und Mäusen hergestellt worden war. Jacob Heil wurde gehörig verprügelt und in die Alster geworfen, von der Obrigkeit aber schnell geborgen und im Rathaus in Sicherheit gebracht.
Die Volkszorn kochte über, als auch in anderen Sülzefabriken keine hygienischeren Zustände vorzufinden waren. Rathaus, Stadthaus und Strafjustizgebäude wurden gestürmt, Gefangene befreit.
Der ehemalige Ostafrika-General Paul von Lettow-Vorbeck (geb. 20. März 1870 in Saarlouis, gest. 9. März 1964 in Hamburg), der mit 10 000 Freikorps-Kämpfern, 30 Geschützen und gepanzerten Wagen unter den Kaiserfarben Schwarz-Weiß-Rot einzog, schlug die Unruhen nieder.
Es gibt alte Hamburger, die haben seit 1919 keine Sülze mehr angerührt. Der Volksmund dichtete Schillers "Lied von der Glocke" um:
" . . . heute muss die Sülze werden,/ frisch, Gesellen, geht zur Hand. Nehmt nun Fleisch vom Katzenbalge,/ tut auch Ratten dann hinzu/ und dann kocht das edle Ganze/ mit den Mäusen zum Ragout . . ." (mj)

erschienen am 25. Jan. 2002 in Specials, Hamburger Abendblatt

nachfolgend Text aus der Ausstellung “ 100 Jahre Hamburger Rathaus”

Tumulte vor dem Hambuger. Rathaus ausgelöst am 23.6 1919, Quelle s. Ausstellung

Am 23. Juni 1919 begannen von Linksextremisten geschürte Tumulte wegen verdorbener Lebensmittel, die sogenannten Sülze-Unruhen. Es gab Tote. Das Rathaus und seine Umgebung wurden von 450 Freiwilligen des Wachbataillons Bahrenfeld (Freikorps- ähnlich) verteidigt. Der einzige anwesende Senator Sthamer erreichte einen Waffenstillstand, der aber von den Belagerern nicht eingehalten wurde, die am 25. Juni das Rathaus stürmten und 16 Bahrenfelder töteten. Der Senat ersuchte um die Hilfe der Reichswehr aus Schwerin. Obwohl seit vier Tagen wieder Ruhe war, marschierten Truppen unter Führung von General Paul von Lettow-Vorbeck mit 10000 Mann in Hamburg ein. Das Korps verhielt sich wie in einer besetzten Stadt in Feindesland.

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